Studieren in Deutschland - Kulturelle Besonderheiten Beatrix Andree image 2

Ein Professor aus China geht als Gastprofessor nach Deutschland und hält dort seine erste Vorlesung. Anfangs ist er sehr angetan von den deutschen Studierenden. Viele schreiben während seiner Vorlesung fleißig mit. Es ist ruhig im Vorlesungssaal, es wird nicht geschwatzt und auch nicht geschlafen. Doch am Ende der Vorlesung „hagelt es Protest“, so empfindet es jedenfalls Yu-Chien Kuan (beschrieben in seinem Buch: Die Langnasen).

Was war passiert?

Nun, die deutschen Studierenden klopften mit ihren Fingerknöcheln auf die Tische, um ihre Anerkennung auszudrücken. Dies ist in Deutschland die normale Art des „akademischen Beifalls“. Im Theater wird geklatscht, im Hörsaal geklopft. 

Diese kleine Anekdote weist darauf hin, dass es nicht nur im Alltagsleben kulturelle Unterschiede geben kann, sondern dass wir auch im universitären Bereich mit kulturellen Differenzen rechnen müssen.

Dies fängt an mit den Unterschieden in den universitären Systemen:

  • In welcher Art von Hochschule möchte ich studieren und welchen Studienabschluss kann ich dort  machen?
  • Wie ist das Studium aufgeteilt?
  • Welche Arten von Prüfungen und Leistungsnachweisen gibt es?
  • Was herrscht an dieser Universität vor: eher ein Vorlesungs- und/oder eher ein Seminarstil?
  • Wie ist die Beziehung zwischen den Lehrenden und Studierenden?

 

Und es geht weiter mit der kulturell unterschiedlichen wissenschaftlichen Kommunikation bzw. dem deutschen Wissenschaftsstil.

An deutschen Universitäten ist es zum Beispiel wichtig, in wissenschaftlichen Texten Inhalte objektiv und sachlich darzustellen, was ein „Ich-Tabu“ (Schäfer/Heinrich) zur Folge hat. Und das bedeutet, dass die 1. Person Singular, das Pronomen ich, mehr oder weniger vermieden wird. Statt dessen werden gerne Formen benutzt wie

  • die Verwendung des unpersönlichen man  (Daraus kann man schließen, dass …)
  • Passivstrukturen (Es wird davon abgeraten, dass …)
  • unpersönliche Redewendungen im Konjunktiv I (Es sei noch darauf hingewiesen, dass …)
  • andere unpersönliche Redemittel (Es ist ersichtlich, dass …)
  • die Abkürzung m.E. = meines Erachtens 

 

Was ausländischen Studierenden sofort ins Auge springt, wenn sie einen deutschen wissenschaftlichen Text lesen, ist der ausgeprägte Nominalstil.

Er kann folgendermaßen charakterisiert werden:

(nach S. Schäfer/D. Heinrich: Wissenschaftliches Arbeiten an deutschen Universitäten, München 2010)

Wer in Deutschland studieren möchte, sollte sich somit vorab gut über die Studienbedingungen und wissenschaftlichen Strukturen informieren. 

Ich wünsche Euch viel Spaß und Effektivität beim Studium.

Viele Grüße, Beatrix

von www.learning-works.de

 

 

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