Sollen wir flippen? – Warum nicht!

Wir müssen es ja nicht die ganze Zeit tun. Auslagerung der Theorie nach Hause, praktische, inspirierende Anwendung im Seminar: Hört sich nach einer Fortbildung für mich an!

Flipped Classroom, Inverted-Classroom, Blended-Learning, Umgedrehtes Klassenzimmer, Flipped E-Learning: Hinter diesen Begriffen verbirgt sich eine attraktive Art des Lehrens und Lernens.

Die Idee stammt urprünglich von zwei Lehrern, die einigen Schülern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht am Unterricht teilnehmen konnten, den Lehrstoff zukommen lassen wollten. Dazu nahmen sie Videos auf und stellten sie auf You Tube zur Verfügung….  Dieses Konzept fand großen Anklang nicht nur bei den kranken Schülern.

Interessant finde ich den Weg von Christian Spannagel, der seine Vorlesungen von studentischen Hilfskräften als Video aufnehmen ließ. Diese Videos konnten und können von den StudentInnen nach Lust und Bedarf so oft angeschaut werden wie sie wollen.

Auftauchende Fragen etc. können dann in der “Vorlesung” behandelt werden. So weit – so gut. Wichtige Theorie, die sonst häufig in einer frontalen Form als Präsentation (auch die haben ja ihre Berechtigung und können sehr attraktiv gestaltet und dargeboten werden) von den StudentInnen aufgenommen wird, kann – zum Beispiel mit Begleitfragen – in der eigenen Zeit, an einem angenehmen Ort, so oft sie möchten – angeschaut werden. Doch besonders handlungs- bzw. erfahrungsorientiert ist das nicht.

So entwickelte er eine Erweiterung dieser Idee: das aufgabenorientierte Flippen von Inhalten mit offenem Ergebnis. Nach der Bearbeitung der Aufgaben kommen alle Studierenden in der Vorlesung zusammen und diskutieren ihre Fragen, Erlebnisse und Erkenntnisse.

Beide Formen:  Video-Flipp und Aufgaben-Flipp haben ihre Berechtigung, je nach Anlass und Thema.

Ch. Spannagel ist Mathe-Prof. Daher ist es für mich nicht verwunderlich (Verzeihung), dass er seine Vorlesungen flippt. Gerade in den naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern müssen viele theoretische Inhalte vermittelt werden.

Funktioniert Flipped Classroom auch in anderen, nicht so theorielastigen Fächern?

Dazu habe ich Christian Schett befragt. Welche Inhalte lassen sich eigentlich umdrehen? Christian Schett ist u.a. Deutschlehrer und nimmt z. B. Grammatikregeln per Video auf, die dann im Unterricht angewendet werden können. Sie können das Interview mit Christian Schett, dass ich mit ihm zum “Flipped Classroom” geführt habe, hier anschauen. In diesem äußert er sich angenehm unaufgeregt dazu, wie er dazu gekommen ist, seinen Unterricht umzudrehen und welche Erfahrungen er damit gemacht hat.

http://www.learning-works.de/interviews/

Es gibt viele verschiedene Werkzeuge seinen Unterricht, sein Seminar, seine Kurse umzudrehen. Ein Video zu er-und bereitzustellen ist nur eins unter vielen. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Hier finden Sie eine Übersicht über die 30 gängigsten Werkzeuge, mit denen ein Kurs, eine Fortbildung, ein Unterricht umgedreht werden kann:

http://www.teachthought.com

Wer von Ihnen hat schon Erfahrung mit Flipped E-Learning, Flipped Classroom etc. in der Erwachsenenbildung gemacht? Welche Inhalte lassen sich Ihrer Meinung nach gut umdrehen? Und wie gestalten Sie dann die Präsenzphasen?