4 Irrtümer zum Einsatz digitaler Medien in der Erwachsenenbildung

 

1. Digitale Medien erleichern das Lernen

Das habe ich auch gedacht, aber das stimmt leider nicht ganz: Sie können manche Lernprozesse begünstigen, das ja. Zum Beispiel wird in Videos erklärt wie etwas gemacht wird und dieses Video kann man sich dann so oft anschauen, wie man möchte, aber Begreifen, Wiederholen und Anwenden, also Lernen, muss man immer noch selbst.

Doch Lernen kann mit den digitalen Medien hervorragend ermöglicht werden!

2. Computer ersetzen TrainerInnen

Das formuliere ich jetzt mal ein wenig ketzerisch: Computer, die TrainerInnen ersetzen können, sollten das auch tun!

Bestimmte menschliche, soziale Bereiche kann ein Computer nicht übernehmen. Für affektives Lernen sind immer noch Menschen nötig. So steht hinter jedem Online-Seminar immer ein Mensch, der das Seminar mitsamt seinen Aufgaben und Übungen etc. konzipiert hat und auch moderiert.

Es gibt inzwischen auch sehr gute technische Möglichkeiten sowohl asynchron als auch synchron, also live miteinander zu kommunizieren. Sogar die Aktivierung aller Lerntypen ist online möglich – soweit man das didaktisch-methodische Handwerkszeug beherrscht!

Doch wer sich mit einem reinen Online-Seminar schwer tut oder es erst einmal ausprobieren möchte: Eine wunderbare Möglichkeit, die Vorteile von Präsenz-Seminaren und Online-Seminaren miteinander zu verbinden sind Blended-Learning-Seminare, also Seminare, die sowohl Präsenz- als auch Online-Phasen enthalten.

3. Digitale Medien lösen andere Medien ab

Die digitalen Medien ersetzen die analogen Medien nicht, sondern sie kommen zu den analogen Medien hinzu! Das heißt, unser Werkzeugkoffer wird größer, wir können aus einer größeren Vielzahl an Möglichkeiten auswählen und diese dann zielgerichtet einsetzen.

Wir können uns fragen: Welches Medium eignet sich eher für diese Aufgabe, welches ist sinnvoller für jene Übung? – Und dieses Medium wählen wir dann aus.

4. Ich kann das nicht

Hier dürfen wir wohl eher statt “Kann ich das?” – “Will ich das?” fragen. Und nicht alle müssen es wollen!

Doch wenn ich es will, dann brauche ich etwas Zeit, um mich in die neue Materie einzuarbeiten. Ich brauche die Lust, um etwas Neues zu lernen. Experimentierfreude und Mut zu Fehlern können auch nicht schaden, denn gerade bei digitalen Medien geht immer wieder mal etwas schief.

Alles in allem zeigen wir durch die Auseinandersetzung mit den digitalen Medien, dass wir selbst immer Lernende sind. Wir verdeutlichen damit unsere innere Haltung, die JA und GERNE sagt zum lebenslangen Lernen.

Ging es Euch wie mir, dass Ihr gedacht habt, die digitalen Medien würden das Lernen erleichtern? Welchen Irrtümern hinsichtlich des Gebrauchs der digitalen Medien in der Erwachsenenbildung seid Ihr schon begegnet?

 

Inspiriert wurde ich zu diesem Artikel durch den Vortrag von Prof. Christian Spannagel, der den Einsatz digitaler Medien in der Schule kommentiert, siehe auch: http://youtube